Der Arbeitsmarkt scheint auf den ersten Blick paradox: Dermatologische Praxen suchen Fachärzte, gleichzeitig gibt es durchaus Ärztinnen und Ärzte, die sich beruflich verändern möchten. Doch beide Seiten finden nicht immer zusammen. Dr. med. Stefan Walther sieht neben dem Fachärztemangel ein grundsätzliches Problem: „Gute Arbeitgeber und gute Ärzte finden nicht automatisch zueinander.“ Er kennt die Suche aus zwei Perspektiven: Walther ist selbst Facharzt für Dermatologie und Geschäftsführer der auf Ärztevermittlung spezialisierten Sanovetis GmbH.
Der Mangel an Fachärzten ist für ihn ein wesentlicher Grund für die schwierige Personalsuche. Der hohen Nachfrage nach Dermatologen stünden zudem nur begrenzte Weiterbildungskapazitäten gegenüber. Gleichzeitig sei die Suche durch die zunehmende medizinische Spezialisierung anspruchsvoller geworden. Medizinische Schwerpunkte und Zusatzqualifikationen spielen ebenso eine Rolle wie Arbeitszeiten, Teamstruktur oder persönliche Vorstellungen.
Gerade kleinere Praxen stünden dabei vor einem zusätzlichen Problem. Ihre Inhaber behandeln Patienten, führen Mitarbeiter und organisieren den Praxisbetrieb – professionelles Recruiting kommt noch obendrauf. „Der häufigste Fehler ist aus meiner Sicht, Recruiting zu sehr nebenbei zu betreiben“, sagt Walther.
Auch die klassische Stellenanzeige erreiche nicht jeden. Gerade Fachärzte, die grundsätzlich offen für einen Wechsel wären, suchten nicht zwingend aktiv auf Jobportalen. Aus Walthers Sicht bleibt eine attraktive Ausschreibung deshalb wichtig, reicht aber nicht immer aus. Dabei entscheidet längst nicht allein das Gehalt. Eine marktgerechte Vergütung sei Voraussetzung; ein besonders hohes Gehalt allein garantiere jedoch noch keine langfristig passende Besetzung. Walther nennt Teamkultur, Führung, technische Ausstattung, Arbeitsorganisation, flexible Arbeitszeiten und Entwicklungsmöglichkeiten als weitere wichtige Faktoren.
Wie unterschiedlich die Wünsche sein können, erlebt er regelmäßig. Manche Ärzte wollen möglichst nah am Wohnort arbeiten, andere bewusst 30 oder 40 Minuten entfernt, um Patienten nicht ständig im Privatleben zu begegnen. Einige suchen ein größeres ärztliches Team, andere möglichst viel Eigenständigkeit. Auch fachlich unterscheiden sich die Vorstellungen: Während manche sich für Ästhetik interessieren, möchten andere ausschließlich konservativ oder operativ arbeiten. Entscheidend sei deshalb weniger die Frage, ob eine Stelle allgemein „gut“ sei. Sie müsse vor allem zu den persönlichen und beruflichen Zielen des jeweiligen Arztes passen, so Walther.
Wer über eine starke Arbeitgebermarke, gute Netzwerke, ausreichend Zeit und eigene Recruiting-Ressourcen verfügt, könne erfolgreich selbst suchen. Allerdings müsse eine Praxis abwägen, ob die eigene Suche wirtschaftlich und organisatorisch sinnvoll sei. Ob die eigene Suche sinnvoll ist, hängt aus seiner Sicht von den verfügbaren Ressourcen, der Dringlichkeit der Besetzung und der Erreichbarkeit geeigneter Kandidaten ab. Wenn eine Stelle schnell besetzt werden muss oder Ärzte erreicht werden sollen, die aktuell gar nicht aktiv suchen, könne professionelle Unterstützung einen Mehrwert bieten. Sanovetis setze dafür auf Direktansprache und fachbereichsspezifische Vermittlung, erläutert Walther.
Walther rät deshalb dazu, eine spezialisierte Personalvermittlung nicht erst nach Monaten erfolgloser Suche in Betracht zu ziehen. Praxen sollten frühzeitig entscheiden, welche Recruiting-Kanäle für die konkrete Stelle die besten Erfolgsaussichten bieten. Personalgewinnung müsse beginnen, bevor eine Stelle akut unbesetzt sei. Dafür sollten Praxen klären, welche Ärzte fachlich und persönlich zu ihnen passen und welche Arbeitsbedingungen sie anbieten können.
Zur Person: Dr. med. Stefan Walther ist Facharzt für Dermatologie und Geschäftsführer der Sanovetis GmbH. Das Unternehmen ist auf die Direktvermittlung von Ärztinnen und Ärzten spezialisiert. Die Berater von Sanovetis konzentrieren sich auf einzelne medizinische Fachbereiche und kennen dadurch die unterschiedlichen Anforderungen von Praxen, MVZ und Kliniken.
Dieser Beitrag basiert auf einem schriftlichen Interview mit Dr. med. Stefan Walther. Das Interview wurde redaktionell gekürzt und in Artikelform aufbereitet.

